Rules of Application

Programme sind Werkzeuge, und ein Werkzeug sollte möglichst unauffällig seine Arbeit tun. Vor allem aber sollte es den Benutzer nicht ärgern. Leider tritt das heutzutage noch zu oft auf.
Als Entwickler testet man jedes Jahr Dutzende neuer Programme, und stellt daher gewisse Ansprüche an deren Verwaltbarkeit.
Daher hier eine Liste einiger selten beachteter Regeln für eine gute Handhabbarkeit — neben der Funktionalität:

  1. Installation

    Während der Installation muss der Anwender den Ort im Programm-Menü festlegen können. Ich installiere alle Kommunikations-Software unterhalb von „Internet”, alle Entwicklersoftware unter „Entwicklung” usw.
    Dadurch kann man schnell und sicher durch dutzende installierter Programme navigieren. Die Startmenü-Einträge von Programme, die mich diese Wahl nicht treffen lassen, werden nach der Installation manuell zwangsverschoben. Oft meckern diese dann später bei der De-Installation, was aber nicht weiter weh tut.

    Ärgerlich ist auch, wenn ein Programm mehr als einen Ordner anlegt, oder gar die Ordner selbst tief verschachtelt:
    Firma / Unterfirma / Projektstudio / Produktname / Subprodukt 1
    Ich möchte mich nicht in tiefen Ebenen verirren. Meist hat man sowieso nur genau ein Produkt dieser Firma installiert, womit diese Verschachtelei absurd wird.

    Das Programm sollte auch nicht hunderte Links und Ordner im Startmenü aufweisen, sondern nur die unverzichtbaren. Links auf Lies-Mich-Dateien, die Online-Hilfe oder die Webseite der Firma gehören alle ins Programm selbst, dort unter dem Menüpunkt „Hilfe”.

    Das Startmenü dient genau dazu: Zum Starten von Programmen.
    Es ist kein Ersatz für alle Menübefehle, die ins Programm selbst gehören.

  2. Verzeichnisse

    Ein Windows-Programm darf nicht in den Programme-Ordner oder sonstwo hineinschreiben, sondern nur an vordefinierte Orte. Vom Nutzer erstelle Daten gehören ins „Eigene Dateien”-Verzeichnis. Vom Programm selbst benötigte Dateien mit Schreibzugriff gehören ins ApplicationData-Verzeichnis. Dort kann das Programm einen eigenen Ordner anlegen.
    Vorteil dieses Vorgehens: Das Programm knallt nicht weg, wenn Administrator-Rechte fehlen, und die Datensicherung ist einfacher.

  3. Über das Programm …

    In die About-Box eines Programms gehören:
    • Name des Programms (ja, wirklich — manchmal fehlt der!)
    • Firma oder Autor
    • Link zur Webseite
    • Datum der Programmerstellung
    • Eine Versionsnummer

    Oftmals fehlen hier elementare Angaben, selbst bei professionell vertriebenen Programmen. Im heutigen Zeitalter ist es wichtig zu wissen, welche Version man vor sich hat, um herausfinden zu können, ob man z.B. ein Sicherheitsupdate installieren muss. Ebenso profitiert der Produkt-Support von klaren Angaben — eine veraltete Version ist ja oftmals schon out of support".

  4. Statische Fenster

    Es gibt heute keinen Grund mehr, Fenster oder Dialoge mit statischer Größe zu codieren. Leider tut gerade sich Microsoft hier oft unrühmlich hervor, wenngleich es sich langsam bessert, z. B. bei Vista.
    Warum ich mit einem 24"–Monitor dazu gezwungen werden, maximal vier Einträge in einer scrollbaren Liste zu sehen, konnte mir noch niemand jemals erklären. Wenn Webbrowser-Fenster nicht aufgezogen werden könnten, gäbe es ja auch zu Recht einen immensen Aufschrei. In der Vor-Browser-Terminalfenster-Zeit mögen fixe Größen für Dialoge ja noch vertretbar gewesen sein, aber spätestens seit Erfindung der Maus sind größenfixierte Dialoge obsolet.

    Ach ja: Faulheit beim Programmieren ist keine gute Ausrede für diese gravierende Beschränkung der Nutzer.

  5. De-Installation

    Ein „Uninstall”-Link gehört nicht ins Startmenü (und schon gar nicht mit dieser Bezeichnung).
    Eine Applikation de-installiert man über „Systemsteuerung / Software”.
    Die De-Installation ist kein täglich benutzter Menüpunkt, und hat schon gar nichts mit dem Sinn und Zweck eines „Startmenüs” zu tun.

    Oftmals richten Programme den Link zur De-Installation direkt zwischen dem Link zum Aufruf des Programms und dem Aufruf der Hilfe ein. Ich kann nicht nachvollziehen, wie sich Programmautoren der Gefahr aussetzen, quasi eine versehentliche Selbstzerstörung einzuleiten. Oder hat ihr Fernsehgerät zwischen Programmtaste 1 und Programmtaste 2 auch einen Knopf namens „destroy myself”?