BMW R 1200 GS, BMW F 800 S und BMW G 650 Xcountry

Dank einer glücklichen Fügung konnte ich in dieser Woche eine BMW R1200 GS, eine BMW F800S und die BMW G650 Xcountry über vier Tage probefahren. Verschiedener können Modelle kaum sein, auch wenn alle vom selben Hersteller entstammen. Ein kurzer Vergleich beginnt mit der

BMW R 1200 GS

BMW 1200GS Die altehrwürdige Gummikuh BMW R1200GS ist etwas für groß gebaute Herrenreiter ab 180cm Größe. Meine Füße musste ich etwas strecken, und auch der Lenker gibt klar zu erkennen, das Gardemaß erwünscht ist. Nur mit einer Tieferlegung und schmalerem Lenker käme diese Maschine für mich in Frage.

Bei einer Regenfahrt wussten besonders die "Windschutzscheibe" und zwei Schutzschilder hinter den beiden Boxer-Zylindern zu gefallen, die effektiv eine große Menge Regen vom Fahrer abhielten. Ein echtes Allwettergefährt, gebaut für lange Touren.

Der Motor ist trotz seiner fast 100PS entspannt zu fahren, er gibt gleichmäßig Leistung ab und erinnert entfernt an einen Käfer-Motor vom Sound und Feeling her. Am Ende der Drehzahlen wird brutal abgeriegelt, so dass man fast in den Lenker beißt. Aber für Beschleunigungs-Orgien ist dieses Gefährt nicht gebaut, sondern eher für weite Reisen, selbst wenn sie notfalls in weniger als 4 Sekunden von 0 auf 100 ist. Auch bei Geschwindigkeiten über 160 km/h läuft sie 100%ig ruhig geradeaus und ist immer gut beherrschbar.

Es wäre fast mein Idealgefährt, wäre da nicht der hohe Anschaffungswiderstand von über 12.000 €, und die notwendige Körpergröße ab 185cm, um bequem den Boden zu erreichen und den Lenker umfassen zu können.

BMW F 800 S

BMW F800S Die im Jahr 2006 neu herausgekommene Straßenmaschine BMW F800S ist ein Zweizylinder mit 85 PS. Sie hat weder Kardan noch Kette, sondern einen Riemenantrieb, der ca. 40.000 km aushalten soll. Im Fahrbetrieb war vom Riemen nichts negatives zu spüren, Lastwechselreaktionen wie beim Kardan traten nicht auf.

BMW F800S

Der Motor geht bissig zu Werke, zusammen mit der Sitzhaltung nach vorne gebeugt zum schmalen Lenker hin, verführt diese Maschine zum Gasgeben. Das Metier des Renners ist die Autobahn oder Landstraße. Erst ab 120 km/h gibt der Fahrtwind genügend Auftrieb, um die Haltung als haltbar zu empfinden. Beim Ampelstopp stören die Fußrasten, für den Stadtverkehr ist die 800er nicht designt worden.

Dieses Gerät ist für die Rennstrecke entworfen, das wird unterstrichen durch die kräftig zupackende ABS-Bremsanlage, die exzellent verzögert. Der giftige Motorsound erinnert nicht im Entferntesten an den behäbig-souveränen Boxermotor der 1200GS, sie beschleunigt trotz der geringeren PS-Zahl ebenso rasch auf 100 km/h, ohne dabei zu vibrieren oder zu rütteln.

Für mich als 650GS-Fahrer ungewohnt war, das sich die Maschine zwar anlassen ließ, wenn der Seitenständer noch nicht eingeklappt war, aber sofort erstarb, sobald ein Gang eingelegt wurde.

Insgesamt ein geradliniges Rennmaschinchen, das für mich alleine aufgrund der Sitzhaltung nicht in Frage kommt, aber vom Motor her zu begeistern wusste.

BMW G 650 Xcountry

Die BMW G650 Xcountry ist klein und leicht, ein echtes Moped. Ungewohnt ist der Blick über den Lenker: Da ist kein Reifen oder Schutzblech mehr zu sehen, nur Straße. Der Motorsound ist erstklassig, aber nicht laut. Es bereitet viel Vergnügen, mit dem Gerät durch die Landschaft zu düsen. Sie ist sehr wendig und trotzdem exakt um die Ecken zu zirkeln, ein echtes Spaßmotorrad.

Sie hat keinen Drehzahlmesser - wozu auch - doch einen gut ablesbaren Digitaltacho, der für mich als Mann der Bits und Bytes schneller erfassbar ist als ein Analog-Zeigergerät. ABS hatte sie natürlich, dazu sehr schöne Blinker in weiß und eine LED-Rückleuchte - die werde ich wohl nachrüsten bei meiner BMW F 650 GS. An meiner alten Maschine war öfter die Rücklichtbirne unbemerkt verschieden, was für Zweiradfahrer extrem gefährlich ist. Eine ganze Batterie von einzelnen LED-Lampen im Rücken gibt da mehr Sicherheit.

Die Ausfahrt mit diesem Gadget war ein Hochgenuss, ein echtes Funbike und Stadt-Motorrad. Leider verabschiedete sich die Benzinpumpe schon nach zwanzig Kilometern, sonst wäre ich von diesem Stoppelhopser gar nicht mehr losgekommen. Ein Bild von dem gewöhnungsbedürftigen Design kann ich aufgrund dieses technischen KO nicht bieten, Bilder finden sich daher hier.

Fazit

Foto-Montage BMW 800 GS - fake Alle drei Modelle gefallen auf Ihre Weise. Ideal wäre das Triebwerk der F800S in einer hoffentlich geplanten 800er GS. Gepaart mit einer entspannten Enduro-artigen Fahrerpositionierung und einem etwas weniger hitzigem Vorwärtsdrang wäre solch ein Modell für mich schon eine starke Versuchung. Wenn dann noch LED-Rücklicht, MFA und der Sound der G650 Xcountry hinzukommen, wäre ein Umstieg eine Überlegung wert. Laut eigener Aussage von BMW soll die 800er Serie zu einer ganzen Familie wachsen, Spekulationen über eine 800 GS gibt es ja schon, und auch der Aufkauf der Hard-Enduro Schmiede Husqvarna lässt auf eine interessante Zukunft hoffen.