Erlebnis: Abholung Autostadt

Autostadt: Erlebnisabholung (VW-Kraftwerk, auch die vier-Zylinder genannt) Als Käufer eines Volkswagens kann man seinen Neuwagen direkt bei VW in der Autostadt abholen. Die Kosten für diese „ErlebnisAbholung“ betragen ca. 350 €, eine Lieferung zum Händler würde Überführungskosten in Höhe von ungefähr 700 EUR ausmachen. In der Abholung enthalten ist eine Essensgutschrift in Höhe von 30 €, die in den Autostadt-Restaurants eingelöst werden kann. Über den Shop-Gutschein von 20 € reden wir besser nicht, für 22,40 € gibt es gerade mal ein Modell des eigenen Wagens im Maßstab 1:43 (das Modell hielt genau fünf Minuten dem Spieltrieb meines Sohnes stand, bis die Achse brach).

Hinzurechnen muss man die Reisekosten, in unserem Fall eine Bahnfahrt mit dem ICE zum Autostadt Spezialtarif von 88 € für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Den Sprit für die Rückreise und den Wertverlust auf diesen Kilometern kann man hinzurechnen, wenn man es genau nehmen will und das Autofahren einem keinen Spaß bereitet.

Anreise

Die Bahnfahrkarte wurde im Internet gekauft: Man bekommt nach dem Kauf online ein PDF-Dokument geliefert, das man selbst ausdrucken muss. Dieses gilt zusammen mit der Karte, mit der man bezahlt hat, als Fahrkarte. Meine Bedenken ob dieser unschmucke Fetzen Papier ausreicht, und der Schaffner mich auslacht, erwiesen sich als unbegründet. Der Kontrolleur scannt den 2D-Barcode ein, und das Lesegerät gleicht es mit den Daten der zur Bezahlung verwendeten EC- oder Kredit-Karte ab — diese daher unbedingt mitnehmen!

Die Anreise erfolgte um kurz nach sechs Uhr morgens per S-Bahn zum Dortmunder Hauptbahnhof. Die Bahnfahrkarte gilt zugleich als S-Bahn-Ticket — zumindest hier im VRR-Bereich. Der ICE startete pünktlich um 6:48 Uhr und fuhr auf die Minute genau zum Solltermin um 9:07 Uhr in Wolfsburg ein. Mit dem Auto hätte man für die fast 300 km sicher länger benötigt, von der Stau-Gefahr ganz zu schweigen.

Was man mitnehmen sollte

  • Abholschein
  • Kennzeichen vorne und hinten
  • Führerschein (auch für die Nicht-Abholer, die einen Geländeparcour erfahren möchten)
  • Fahrzeugschein (der Brief wurde nicht benötigt, daher diesen sicherheitshalber zuhause lassen)
  • Ausweis
  • Kindersitze, wenn Kinder mit zurückfahren sollen
  • Verbandskasten, rote Warnweste, Parkscheibe, ggf. Eiskratzer
  • ggf. Navi samt Halterung für die Rückfahrt
  • genügend Geld zum Volltanken des Autos und für Sonstiges
  • Fotokamera, um ggf. Lackschäden zu dokumentieren — und natürlich für Erinnerungsfotos
  • ggf. Bahnfahrkarte
  • ggf. 230 V Verbraucher zum Testen der Bordsteckdose
  • ggf. CD, DVD, SD-Karte für Test der Beschallungsanlage

Autostadt

In der Eingangshalle vom Bahnhof Wolfsburg wird man gleich von Autostadt-Hostessen abgefangen, und kann die mitgeschleppten Kindersitze und andere Gepäckstücke aufgeben, die automatisch im neuen Wagen landen.

Von der Eingangshalle weg geht man am Wissenschaftsmuseum phæno vorbei über eine Fußgängerbrücke in die Autostadt-Empfangshalle (KonzernForum genannt), insgesamt weniger als 500 m. In der Halle geht es eine Rolltreppe hoch in den gelben Zylinder.

Autostadt-Eingangshalle KonzernForum

Dort gibt man den Abholschein und das Kennzeichen ab und zeigt den Führerschein vor. Der persönliche Betreuer notiert den geplanten Tagesablauf mit allen Uhrzeiten auf eine Übersichtskarte der Autostadt. Man kann bei ihm die Turmfahrt, Werkstour oder andere Veranstaltungen buchen, sofern man das nicht vorher rechtzeitig getan hat, und noch Plätze frei sind. Es erhält jeder eine Eintrittskarte, auf der Hauptkarte sind die Guthaben für Futter und Shops gespeichert.

Autostadt Kinder-Führerschein Unten in der Eingangshalle kann man weiteres Gepäck kostenlos in Schließfächern deponieren. In der nahen Kinderwelt konnten die Kinder kostenlos zwei Führerscheine machen, einen am Simulator, den anderen draußen mit Autoscooter-ähnlichen Minifahrzeugen, deren Höchstgeschwindigkeit die einer Schnecke nur knapp übertrifft. Die Kinder hatten trotzdem Spaß und waren sehr stolz auf Ihren eigenen Führerschein, eine Plastikkarte mit Lichtbild.

Tiguan Geländeparcours

Tiguan Geländeparcours Panorama.

Tiguan Geländetour Berg Vorab online gebucht hatten wir die Tiguan-Geländetour, die zuerst meine Frau absolvierte. Ich starb tausend Tode hinten auf dem Rücksitz, während meine Kinder extreme Begeisterung kundtaten. Als ich an der Reihe war, traute ich mich schon fast nicht mehr auf dem Fahrersitz Platz zu nehmen, aber selbst am Steuer fällt es wesentlich leichter.

Außer einmal Aufsetzen und einem funkensprühenden Auspuff ging auch alles glatt. Gottseidank war es nicht der eigene Neuwagen — ich kann nur davor warnen, einen silbernen Werks-Tiguan Modell "Track & Field" mit geringem Kilometerstand und ohne Panoramadach gebraucht zu kaufen :-)

It's a Pizza!

Pizzeria Amano Autostadt Es war mittlerweile zwölf Uhr, daher kehrten wir in der Pizzeria Amano ein. Die Kinder durften ihre Pizza selbst belegen, allerdings standen nur wenige Auflagen zur Wahl. Sogar die kleinere Variante bekamen die Kinder nur zur Hälfte auf, auch die Erwachsenen waren mit ihrer sehr italienischen Pizza mit extrem dünnem Boden gut zufrieden. Bezahlt wurde mit dem Guthaben auf der Karte, die 30 € wurden dabei restlos aufgebraucht.

Abholerzentrum

Die eingeplante Turmfahrt in einen der beiden AutoTürme mussten wir ausfallen lassen, da um 13 Uhr die Übergabe des neuen Autos im Abholerzentrum anstand. Bis zum Aufruf unseres Namens an der großen elektronischen Wandtafel vergingen endlose 30 Minuten. Der Shop in dem Gebäude war zwar offen, aber man kann darin sonntags nichts kaufen. Ein kleiner langweiliger Spielplatz ohne große Attraktionen ist rechts neben dem Gebäude. Innen gibt es einen Frittenstall namens Tachometer, wo man sich mit Currywurst die Wartezeit verkürzen kann.

Einweisung

Die Einweisung ins neue Auto dauerte fast 90 Minuten, der Betreuer erklärte mit großer Begeisterung meiner Frau alle wichtigen Features. Ich inspizierte derweil den Wagen auf eventuelle Schäden, fand aber keinen Anlass zur Beanstandung. Zum Abschluss gab es ein Foto von Familie samt Neuwagen, dass man im DIN-A4-Format nebst zwei Dosen Red Bull ausgehändigt bekam. Die Kinder bekamen nichts — unverständlich. Herausfahren muss man selbst, und kann direkt auf einen für Abholer kostenlosen Parkplatz abbiegen.

Tiguan Wir parkten darauf, und genossen erstmal eine Tasse Latte macchiato am Fluss namens Aller. Zurück in der Autostadt besuchten wir das ZeitHaus, ein Automuseum mit vielen seltenen und interessanten Exponaten. Am besten gefallen hat den Kindern aber der Wissenschafts-Teil, in dem sie selbst einige kleine Experimente durchführen konnten. Vom Windkanal über Zahnräder und Solarmobile wird einiges kindgerecht geboten, aber auch mir machte es Spaß.

Die Pavillons der Automarken und den geplanten Besuch des kolumbianischen Pavillons am Allersee sparten wir uns, denn es war mittlerweile nach 16 Uhr und regnerisch. Es zog uns zudem ins neue Auto. Der Tank war mit 10 Litern vorgeladen. In der nächsten Tankstelle wurde vollgetankt, aber mit Schwierigkeiten: Der Auto-Einweiser warnte uns ausdrücklich davor, ja niemals Bio-Diesel zu tanken, das würde den Motor zerstören. An der Tanksäule aber gab es nur Diesel mit 7% Bio-Diesel-Beimischung. Ein Anruf beim Cousin, ebenfalls frischgebackener Tiguan-Besitzer, klärte aber, dass keine Gefahr darin bestand. Die Tankquittung wurde gottseidank nicht weggeworfen, sondern landete in der Geldbörse, was später viele Sorgen ersparte — aber dazu gleich.

Dank iPhone-Navigation war der Weg auf die Autobahn schnell gefunden, und dort leistete der Tempomat erstmals gute Dienste. Niemals mehr lahme Füße aufgrund einer Gasfuß-Starre!

Rückfahrt mit Hindernissen

Nach 60 gefahrenen Kilometern erlahmte der Tiguan merklich. Eine gelbe Warnlampe im Cockpit in Form eines Wendels leuchtete auf. Bei roten Warnlampen sollte man sofort rechts ran fahren, aber da es nur ein Gelb war, nahmen wir die nächste Ausfahrt, die gottseidank direkt kam, und parkten den Tiguan außerhalb der Autobahn. Im Handbuch-Ordner fand sich eine Karte mit der Rufnummer des VW-Mobilitäts-Dienstes, der nach Aufnahme einiger Basisdaten den nächstgelegenen VW-Händler mit Notdienst in Bewegung setzte. Dieser rief kurz danach an, und wollte in einer halben Stunde mit Abschleppwagen vor Ort eintreffen.

Während der Wartezeit fiel mir auf, dass uns gegenüber ein Campingwagen stand, der entweder auch eine Panne hatte und auf Hilfe wartete, oder der eine Ruhepause einlegte. Ich wollte schon meine Kinder hinschicken, ob dort vielleicht andere Kinder zum gemeinsamen Spielen wären, als meine Frau mir eindringlich nahelegte, dies lieber nicht zu tun. Ob mir denn nicht die roten Sitze aufgefallen wären? Es war eine Bordsteinschwalbe, die auf Kundschaft wartete. Unsere Anwesenheit dürfte ihr Geschäft nachhaltig gestört haben. Wir hatten ernste Befürchtungen, die Nacht dort verbringen zu müssen, falls das Auto nicht mehr flottzukriegen wäre …

Tiguan wird abgeschleppt Der Notdienst traf wie angekündigt innerhalb von weniger als dreißig Minuten ein. Das mitgebrachte Diagnosegerät war flugs vorne im Fahrerfußraum an den Bordcomputer angeschlossen, aber eine schnelle Lösung gab es nicht, trotz eifrigen Bemühens. Der Wagen sprang zwar an, aber nahm kein Gas mehr an. Der Experte fragte mich ratlos nach der Tankquittung, alles deute darauf hin, dass ich Benzin anstelle von Diesel getankt hätte. Voller Schrecken starrte ich auf die bald gefundene Tankquittung, aber darauf waren klar 50 Liter Diesel verzeichnet. Danach wurde das Szenario ausgebreitet, das sogar Tankstellen sich schon mal vertan haben, und falschen Sprit ausgeliefert haben. Der Motor wäre dann hin, und Kosten von um die 10.000 € standen im Raum, die dazu natürlich nicht von VW zu tragen wären. Dabei hatte ich sogar sehr pedantisch darauf geachtet, beim Tanken alles richtig zu machen, aber Tanken ist einer der Vorgänge, die nach Durchführung sofort aus dem Gehirn gelöscht werden mangels Relevanz, so dass eine Restunsicherheit erhalten blieb.

Ich sollte dem Abschleppwagen zur Werkstatt hinterherfahren, aber der Wagen sprang just dann gar nicht mehr an, also wurde der fußlahme Tiguan aufgeladen. Dadurch habe ich etwas kennengelernt, was ich eigentlich niemals wissen wollte: Wo man die Abschlepp-Ösen beim Tiguan findet.
Sie sind vorne und hinten hinter einer Abdeck-Kappe versteckt, die man per Schraubenzieher einfach heraushebelt. Aus dem Werkzeugset muss dann die eigentliche Abschleppöse aufgeschraubt werden.

Wir alle nahmen vorne im Abschleppwagen Platz, die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, soweit oben am Verkehr teilzunehmen. In der Werkstatt wurde das große Diagnosegerät bemüht, aber es wurde keinerlei Fortschritt erzielt. Also durften wir uns einen Leihwagen aussuchen, aber leider nur aus dem Golf-Pool, ein Tiguan, Touareg oder CC standen nicht zur Verfügung. Die Wahl fiel schließlich auf einen Golf Bluemotion mit Dieselantrieb — hoffentlich gäbe es diesmal keine vermuteten Tankprobleme. Der VW-Notdienst war so kulant, den Wagen ohne Kilometerbegrenzung zur Verfügung zu stellen, und ich könnte den Wagen behalten, bis der Tiguan repariert wäre, auch über die normalen maximal drei Tage hinaus. Tiguan auf Abschleppwagen

Auf der Nachhause-Fahrt erwiesen sich die beiden Dosen Red-Bull als wertvolle Aufputschmittel, das Quentchen Kokain darin verhalf zwar nicht zu Euphorie, aber hielt die Stimmung gedämpft ruhig, bis wir spätabends erschöpft in heimatlichen Gefilden anstrandeten.

Happy End

Am nächsten Werktag morgens erfuhr ich, dass der Schaden lediglich in einer losgerappelten Kabelverbindung bestand, was meine Laune schlagartig aufhellte. Die ganze Angst, den falschen Sprit getankt zu haben, oder sich langwierig mit der Tankstelle ob falscher Deklaration herumschlagen zu müssen, wich freudigem Erwarten. Um elf Uhr fuhr der Wagen, aufgebockt auf einem Abschleppwagen, endlich zu seinem Herrchen, und traf erst um kurz vor 17 Uhr am Arbeitsplatz ein, verspätet aufgrund der üblichen ruhrpottlichen Staus.

Seitdem schnurrt das Kätzchen willig und problemlos. Die Kinder sind begeistert über das große Panoramadach, die Tischchen am Rücken der Vordersitze, die 220 V-Steckdose für die Elektrobespaßung, und die Durchreiche in den Kofferraum mit integriertem Becherhalter. Auch der Papa mag das neue Auto dank des RCD-510 mit 6-fach-MP3-CD-Wechsler, exzellentem Radio-Empfang, gutem Klang mit Bassdruck und SD-Card-Schacht.

Die Mama liebt die leicht erhöhte Sitzposition, die vielen Ablagemöglichkeiten und die zahlreichen Einparkhilfen, die ich natürlich niemals brauchen werde und selbstverständlich nur für meine Frau mitbestellt habe!